Sana Blaubuch
fig.: Freie Radikale greifen eine Zelle an. Dabei schädigen sie durch ihr fehlendes Elektron die Zellmembran so nachhaltig, dass die Zelle abstirbt. fig.: Telomere sind die molekularen Zeituhren der Körperzellen. Bei jeder Zellteilung werden diese «Schutzkappen» der Chromosomen kürzer und die Zellen anfälliger für Angriffe der freien Radikale. Telomere sind auch bei Progerie beteiligt, einer seltenen Erkrankung, die Kinder im Zeitraffer altern lässt. fig.: Bei Menschen bildet die Sequenz TTAGGG einen Teil der Telomere—eine Art «Andockhilfe» zur Zellteilung. Wa r u m w i r a lt e r n Der radikale Auftritt der Gene und Telomere Langsam verstehen wir, warum manche Menschen länger leben. Verant- wortlich sind Erbanlagen, körperliche Aktivität und der stetige Kampf gegen freie Radikale. Doch der Weg zur Lösung des Altersrätsels ist noch weit. Noch ist das Rätsel des Alterns nicht vollständig entschlüsselt. Aber Wissenschaftler haben einige Mechanismen identifiziert, die das Altern unserer Zellen bestimmen. Der biologische Alterungspro- zess wird erst dann hinreichend zu erklären sein, wenn es gelingt, die einzelnen Theorien zusam- menzubringen. Noch ist die Wissenschaft aber weit davon entfernt, zu verstehen, wie die einzel- nen Mechanismen zusammenwirken und welche Wechselwirkungen zwischen ihnen bestehen. Theorien des Alterns Die Bedeutung der Gene für die Langlebigkeit bei Menschen ist heute eindeutig belegt. Studien mit Zwillingen zeigen, dass der Unterschied in der Lebensdauer zwischen zweieiigen Zwillingen etwa doppelt so groß ist wie bei eineiigen Zwillingen. Bekannt ist auch, dass die Nachfahren von Hochbe- tagten durchschnittlich ein höheres Alter erreichen als die von Menschen, die früh verstorben sind. Bei Forschungen an über 100-Jährigen konnten inzwischen mehrere solcher Langlebigkeitsgene identifiziert werden, doch was sie genau bewirken, ist noch unklar. Telomere sind DNA-Stücke, die an den Enden von Chromosomen sitzen und keine Erbinfor- mation enthalten. Sie bewahren die im Zellkern liegenden Chromosomen vor Veränderungen und Zerstörung. Allerdings verkürzen sich die Telo- mere durch biochemische Reaktionen bei jeder Zellteilung, sodass die Zelle schadhaft wird und abstirbt. Dieser Prozess der Zellalterung wird durch das Enzym Telomerase verlangsamt. Als Schlüssel zur Unsterblichkeit ist dieses Enzym allerdings nicht geeignet, denn es ist auch mit im Spiel, wenn das Zellwachstum bei Tumoren außer Kontrolle gerät. Aus verschiedenen Studien ist indes bekannt, dass verstärkte körperliche Akti- vität zu längeren Telomeren führt. Auch gesunde Ernährung kann die Telomerverkürzung zumindest teilweise kompensieren. 28 2 0 11 r u t h s t r a s s e r / U t z K a p p e r t
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